Hinter den Kulissen des Amateurtheaters
Wer Theaterkurse besucht oder leitet, kennt das Gefühl: Man arbeitet mit Leidenschaft, probiert Methoden aus, sucht neue Zugänge – und fragt sich manchmal, wie andere das eigentlich machen. Genau hier setzt der Interkurs an. Still, konzentriert und fernab von Premierenrummel treffen sich dort Menschen, die selbst unterrichten, anleiten und weitergeben. Sie treffen sich, um gemeinsam zu arbeiten. Dabei steht nicht das fertige Ergebnis bzw. das Endresultat im Fokus, sondern der Weg dorthin.
Der Interkurs ist weder eine öffentliche Veranstaltung noch ein Festival. Er ist eine internationale Multiplikatorenfortbildung im deutschsprachigen Amateurtheater. Teilnehmende aus Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz kommen zusammen, um an einem gemeinsamen Stück zu arbeiten – und zwar aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Was entsteht, ist kein fertiges Produkt, sondern ein intensiver Prozess: beobachten, ausprobieren, vergleichen, verwerfen, neu ansetzen.
Gearbeitet wird praxisnah. Körper, Stimme, Spiel, Raum, Figur, Regie – alles kommt auf den Tisch. Besonders spannend ist dabei, dass alle Beteiligten ihre eigenen Methoden mitbringen. Was für die einen selbstverständlich ist, wird für andere zur neuen Entdeckung. Lernen geschieht hier im gemeinsamen Tun.



Eine Stimme aus der Schweiz
Für die Schweiz ist Katrin Janser Fors am Interkurs beteiligt. Der Kurs eröffnet ihr einen unmittelbaren Zugang zu Theaterarbeit aus anderen Ländern – weit über das reine Zuschauen hinaus. Unterschiedliche Herangehensweisen treffen aufeinander – manchmal ergänzend, manchmal widersprüchlich. Genau darin liegt der Reiz: Das eigene Tun wird hinterfragt, geschärft und erweitert.
Was im Kursraum passiert, bleibt jedoch nicht dort. Der Interkurs versteht sich bewusst als Weiterbildungsplattform mit Wirkung nach aussen. Die Teilnehmenden tragen ihre Erfahrungen zurück in Kurse, Probenräume und Vereinsarbeit. Impulse aus dem internationalen Austausch fliessen so in die Breite – oft ganz unspektakulär, aber nachhaltig.
Der Interkurs zeigt, dass Qualität im Amateurtheater nicht nur auf der Bühne entsteht, sondern lange davor: im gemeinsamen Lernen, im Austausch über Grenzen hinweg und in der Bereitschaft, die eigene Praxis immer wieder neu zu befragen.
Ein langfristiger Lernprozess
Was der Interkurs über mehrere Jahre hinweg bewirken kann, wird im Erfahrungsbericht von Alexandre Zurkinden in der aktuelle Ausgabe der Theater Zytig deutlich. Seine ausführliche Rückschau zeichnet einen mehrjährigen Lernprozess nach und erlaubt einen vertieften Einblick in die fachliche und methodische Arbeit des Interkurses.
Tatjana Troxler