Das Gedächtnis der darstellenden Künste in der Schweiz

Theater und Tanz sind flüchtige Kunstformen – der Moment auf der Bühne vergeht, doch seine Bedeutung bleibt. Genau hier setzt die Stiftung SAPA – Schweizer Archiv der Darstellenden Künste – an. Sie sammelt, bewahrt und erforscht Dokumente, Bilder und audiovisuelle Materialien der darstellenden Künste in der Schweiz und sorgt damit, dass diese Arbeiten auch für kommende Generationen zugänglich bleiben.

Die von aussen unscheinbaren Räumlichkeiten der Stiftung SAPA (Schweizer Archiv der Darstellenden
Künste) in Bern gehören zu einem von drei Standorten in der Schweiz. Neben Bern ist die Stiftung auch in Zürich und Lausanne präsent. Das Tessin und die Ostschweiz werden von Zürich verwaltet. Damit deckt sie die ganze Schweiz ab. In Bern befindet sich die umfangreichste Sammlung: Kostüme, Modelle von Bühnenbildern sowie zahlreiche Dokumente mit Bezug zu Theater und Tanz. Ob Profi- oder Amateurbühnen – entscheidend ist der historische Wert. Dabei spielt auch der ZSV als Verbindung zum Amateurtheater eine wichtige Rolle. «Unser Verzeichnis über die Schweizer Amateurbühnen beispielsweise ist einzigartig», sagt SAPA-Direktorin Beate Schlichenmaier nicht ohne Stolz.

Bühnenmodell Tellspiele Interlaken

Gebündelte Ressourcen

Die Stiftung SAPA entstand 2017 aus dem Zusammenschluss des Schweizer Tanzarchivs und der Schweizer Theatersammlung, die zurückgeht auf die Schweizer Gesellschaft für Theaterkultur von 1927. Das Tanzarchiv war 2011 gegründet worden. Die gebündelten Ressourcen im Archiv stehen heute Forschenden, Kulturschaffenden und weiteren Interessierten zur Verfügung. Einem breiteren Publikum präsentiert sich die Stiftung etwa an der Museumsnacht in Bern oder am Festival «Zürich tanzt». Wer zu einem bestimmten Thema recherchiert, Fragen zur Archivierung von Dokumenten hat oder Informationen zu Autorinnen und Autoren, Texten oder Bildern sucht, findet hier eine offene Tür. Noch sind die meisten Bestände analog. «Momentan geben wir dem Papier den Vorrang. Das wird sich wohl auch in den kommenden Jahren nicht grundlegend ändern. Erst rund fünf Prozent unserer Bestände sind digitalisiert», erklärt Beate Schlichenmaier.

Lücken füllen

So dynamisch wie sich die Theaterszene entwickelt, verändern sich auch die Möglichkeiten der Archivierung. Das digitale Archivgut wird jedoch künftig auch bei SAPA stärker an Bedeutung gewinnen. Die Zeiten der «Floppydisk» sind noch gar nicht so lange her – und niemand weiss, wie digitale Archivierung in hundert Jahren aussehen wird.

«Unsere Aufgabe ist es, Strömungen zu dokumentieren», sagt die Direktorin. Dazu gehören heute auch Themen wie Blackfacing oder Genderfragen. «Aktuell beschäftigt uns die Sichtbarkeit von Frauen im Archiv.»

Doch nach welchen Kriterien entscheidet das SAPA-Team, was ins Archiv aufgenommen wird? «Unterlagen oder Objekte müssen sich durch eine besondere Ästhetik auszeichnen oder eine Pionierleistung im Bereich Tanz oder Theater darstellen», so Beate Schlichenmaier. Das können Fotos, Texte, Presseberichte oder besondere Entwürfe für Bühnenbilder sein. Besonders eindrucksvoll sind etwa die sorgfältig gestalteten Entwürfe von Adolphe Appia aus dem frühen 20. Jahrhundert – eher Kunstwerke als einfache Skizzen. Ebenso vertreten sind der Choreograf und Gründer des Béjart Ballet Lausanne, Maurice Béjart, sowie der Regisseur und Theaterwissenschaftler Oskar Eberle.

Nicht alle angebotenen Objekte finden Aufnahme in die Sammlung. Gegenstände etwa aus dem Umfeld des Mittelalter-Theaters werden eher an Stadtarchive oder entsprechende Museen weitervermittelt. «Wir suchen ständig nach neuen Spuren und versuchen, auch jüngere Generationen von Kulturschaffenden früh auf unser Archiv aufmerksam zu machen», betont Beate Schlichenmaier.

Während der Standort Zürich vor allem konservatorische Aufgaben übernimmt, sind Lausanne und Bern zentrale Anlaufstellen für Anfragen und Archivrecherchen. Finanziell haben es Theaterarchive nicht leicht: Die Stiftung SAPA finanziert sich primär über Beiträge der öffentlichen Hand und – projektbezogen – über private Drittmittel, meistens von Stiftungen.

Katrin Brunner

SAPA besuchen

Das Archiv der SAPA-Stiftung in Bern kann besucht werden. Nebst den regulären Öffnungszeiten für Recherchierende wird einmal monatlich eine öffentliche Führung angeboten. Auf Anfrage öffnet sich die Tür aber auch für eine Privatführung.

Die Theatervereine können ihre Unterlagen und Werbemittel an das Archiv der SAPA-Stiftung schicken. Infos: sapa.swiss